28. August 2006

Texte in Form bringen - mit welcher Textform?

Immer wieder lautet mein Auftrag: «Bringen Sie diesen Text in Form». Mit anderen Worten, ich schreibe einen Text nicht neu, sondern ich redigiere ihn. Obwohl: Die Grenzen, wo das Redigieren aufhört und das Neuschreiben beginnt, sind fliessend.

Einen gewichtigen Anteil an der Wirkung eines Textes hat die Textform.

Zu den journalistischen Textformen (auch journalistische Darstellungsformen genannt) gehören Nachricht, Bericht, Reportage, Feature, Kommentar usw.

Eine besondere Stellung nimmt das Interview ein. Es ist zugleich ein Rechercheinstrument und eine Textform. Lange nicht jede Recherche, die auf einem Interview basiert, wird auch in Interviewform wiedergegeben.

Heute bat mich eine Texterkollegin, vier ihrer Texte zu lesen und kommentieren.

Ursprünglich waren geplant, die die Expertengespräche als Interviews wiederzugeben - nun erscheinen sie als umgeschriebene Lauftexte.

Bloss: Einer der Texte ist bereits als Abschrift des Recherchegesprächs ein hervorragendes Interview. Zugegeben, etwas Kürzen und Kondensieren wäre nötig - doch dann wäre der Text flüssig, spannend, knackig. Kurz: Ein Lesevergnügen.

Doch der Kunde besteht darauf, dass alle Texte die selbe Form haben.
Leider wird
  1. dadurch der Text nicht besser
  2. die Dramaturgie des Magazin nicht spannender.
Bei allen Argumente - der Wunsch des Kunden zählt.

Es tut weh, einen guten Text kaputtredigieren zu müssen.

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