7. September 2006

Schreiben fürs Hören (oder für das Blog)

Ein Text wird geschrieben, damit er gelesen wird.

Logisch. Nicht?

Manchmal wird ein Text aber geschrieben, damit er gehört wird: Radionachrichten, Reden, Vorträge, Fernsehreportagen, Podcasts...

Schreiben fürs Hören unterliegt besonderen Regeln, wie ich an einem Radiokurs von klipp&klang ein weiters Mal erfahren durfte.

Nun habe ich ein Buch zum Thema gefunden, «Schreiben fürs hören» von Stefan Wachtel (ISBN 3-89669-427-8, zu bestellen bei amazon.de oder books.ch).

Hier einige Kernelemente aus dem Kapitel «Regeln und Empfehlungen»:
  • Wichtige Begriffe wiederholen - wenig sprachliche Varianten, keine Synonyme.
  • Verben statt Nomen. Das Verb nach vorn.
  • Für jeden Gedanken einen eigenen Schritt.
  • Gedanken durch Gelenkwörter (also, darum, trotzdem...) am Satzanfang verbinden.
  • Wenig eingeschobene Teilsätze. Wenn, dann nur kurze.
  • Nicht nur Hauptsätze, auch Nebensätze verwenden. Diese müssen aber kurz sein.
  • Keine doppelten Verneinungen.
  • Nur geläufige Fremdwörter verwenden. Wenn es ein gleichwertige deutsches Wort gibt (und das gibt es meist), dann das deutsche Wort verwenden.
  • Abkürzungen mindestens einmal vollständig aussprechen, im Zweifelsfall erklären.
  • Aktiv statt Passiv formulieren.
Nun, ist nichts Revolutionäres. In vielen Stil- und Schreibratgebern finden sich ähnliche Regeln.

Radiomachern wird immer eingebläut, dass die Hörer nicht «zurückhören« können.

Allen Schreibern sei deutlich gesagt: Es ist eine Zumutung, wenn der Leser «zurücklesen» muss.

Übrigens: Die Regeln des Schreibens fürs Hören ergeben auch eine gute Internet-Schreibe. Ganz besonders für schnell zu lesende Blogs.

Wer sich weitergehend für das Thema interessiert, dem sei auch «Schreiben und Redigieren - auf den Punkt gebracht!» von Ivo Hajnal und Franco Item empfohlen (ISBN 3-7193-1337-9, auch erhältlich bei amazon.de oder books.ch). Es ein gut verständliches, an der Praxis orientiertes Schreibtraining für Kommunikationsprofis. Einzige Einschränkung: Wer Ausgabe 1 schon hat, braucht die 2. Ausgabe nicht. Die Aktualisierungen sind minim.

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2 Kommentare:

Anonymous Stefan Gilgen sagt...

Hier noch eine kleine Ergänzung. Weil diese Liste kann sich sowieso keiner merken. Und wenn, dann wird er nicht mehr schreiben, sondern hirnen.

Als alter Radiöler und heute vor-allem-Schreiber (einer der Vorteile in der Textform ist das sichtbare Koppeln) ein ganz enfacher Tipp.

1. Wissen, was man sagen will (be sure brain is in gear, before engaging mouth)!

2. Es einfach sagen (zuerst laut, nach 2-3 Jahren nur noch im Kopf)

3. Zuhören und sich selbst zitieren.

Dann ist es aber nicht mehr "fürs Hören schreiben" sonder Gehörtes schreiben, oder so. Und natürlich kann man damit keine Kurse füllen und auch keine Bücher verkaufen. Aber so geht es wirklich. Und wenn man dann die Texte nach der obigen Liste analysiert, wird man feststellen, dass man, oh Wunder, alle Regeln eingehalten hat.

11.09.06 20:47  
Blogger Patrick Zoll sagt...

Lieber Stefan

Du hast natürlich Recht: Wer sich beim Sprechen an diese Liste klammert, ist garantiert überfordert.

Ich finde diese Punkte aber sinnvoll, um die eigenen Sprechtexte zu analysieren.

Doch was machen, wenn man gleich mehrere Probleme entdeckt?

Dann nimmt man sich einen einzigen Punkt vor, den man beim nächsten Mal besser machen will. Erst wenn man dieses Problem im Griff hat, nimmt man die Liste wieder zur Hand. Denn – und das lese ich aus deinem Kommentar heraus – Übung macht den Meister.

Die einfachste Regel fürs Schreiben ganz generell hat Goethe aufgestellt: «Schreibe nur, wie du reden würdest, und so wirst du einen guten Brief schreiben.»

Ich würde nie Goethe widersprechen. Allerdings fasziniert es mich immer wieder, wie kompliziert gewisse Leute sprechen.

12.09.06 08:37  

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