13. November 2006

Kampf des deutschen Feuilletons gegen Bastian Sick

Die deutschen Feuilletonisten scheinen ein neues Hobby gefunden zu haben: Rumhacken auf Bastian Sick, dem Autor der erfolgreichen Zwiebelfisch-Sprachkolumne von Spiegel Online. Nach Claudius Seidl in der FAZ vom 5. November doppelte am Samstag in der Süddeutschen Zeitung Peter Eisenberg nach (Artikel leider nicht online zugänglich, das Fazit davon hier).

Grob zusammengefasst die Vorwürfe: Sick sei pingelig, feiere die Irrelevanz und könne selber nicht richtig Deutsch. Schaut man sich die Reaktionen im FAZ-Forum an, so scheinen zumindest die FAZ-Leser dem mehrheitlich zuzustimmen.

Natürlich wird in diesem Zusammenhang Wolf Schneider als viel gewiefterer und feinfühligerer Sprachkritiker genannt.

Dass Schneider ein absoluter Kenner und Könner der deutschen Sprache ist, kann ich nur unterschreiben. Ebenso, dass seine Bücher Pflichtlektüre für jeden sind, der sich mit unserer Sprache auseinandersetzt.

Und doch: Ich habe es mehrmals enttäuschte Reaktionen erlebt, wenn ich Schneider empfohlen habe. Die Tipps widerspräche sich, man könne gar nicht alles umsetzen. Ähnliches wird nun an Bastian Sick bemängelt.

Eines darf in der ganzen Diskussion nicht vergessen gehen. Sprache hat nur bedingt mit Regeln, mit richtig und falsch zu tun. Man kann alles auch anders - und meist besser - sagen.

Kein Buch, keine Kolumne kann dem Schreiber das selbstständige Denken abnehmen. Es kann im Besten Fall das Sprachgefühl des Lesers schärfen. Seine Freude an der Sprache fördern. Und überhaupt dazu anregen, sich über die Sprache Gedanken zu machen.

Bastian Sicks Erfolg scheint mir gerade darin zu liegen.

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