14. Juni 2007

Die Post ist auf den Podcast gekommen

Sie laufen seit einiger Zeit, die Online-Kurse der Post. Bei gewissen Themen hat die Post ein Eigeninteresse (zum Beispiel beim Corporate Publishing oder Adress-Management), doch immer wieder schaut die Post Marketing-Themen an, von denen Sie nicht profitiert. Die vielleicht sogar jenen Werbemitteln Konkurrenz machen, die per Post versandt werden.

Der neuste Online-Lehrgang dreht sich ums Podcasting. In den vier Teilen verspricht die Post:
  • Teil 1 – Einführung: Begriffsdefinition, Vor- und Nachteile, Erfolgsfaktoren, Einsatzgebiete in Marketing, interner Kommunikation, Medien, Bildung und Politik, Nutzerverhalten, Entwicklung und Trends
  • Teil 2 – Konzeption: Ziele, Zielgruppen, Budget, Timing, Kontinuität, CI/CD und Corporate Wording, technische und inhaltliche Form, Themenwahl, Dramaturgie, Stil und Tonalität, Podcasts als Werbemedium
  • Teil 3 – Produktion: Script und Drehbuch, Outsourcing: Zusammenarbeit mit Aufnahmestudios, Eigenproduktionen
  • Teil 4 – Vermarktung/Erfolgskontrolle: Online-Schaltung auf eigener Website und Vermarktung über weitere Medien, Musikrechte (SUISA), Praxisbeispiele, Messinstrumente für die Erfolgskontrolle, Podcast-Quiz
Tönt vielversprechend. Die Einführung - die anderen Teile erhalte ich dann im Wochenrythmus - ist zwar recht basic, aber als Einstieg ganz gut. Schade bloss, dass die Beispiele von Corporate Podcasts nicht sehr umfangreich und teilweise etwas veraltet sind. Die Post hätte ja hier abschreiben können (Ehrlich gesagt: auch ich sollte meine Liste dringendst aktualisieren).

Gut zusammengefasst sind die sieben Gründe, die für Podcasting sprechen:
  • Podcasts sind aktuell: Sie sind viel schneller produziert als Printprodukte wie Kunden- oder Mitarbeiterzeitschriften.
  • Podcasts sind günstig; Die Herstellungskosten sind tief und bei der Verbreitung gibt es dank iTunes und anderen Portalen kaum Streuverluste
  • Podcasts sind trendy : In der Schweiz geradezu (noch) avantgardistisch
  • Podcasts sind emotional: Die Stimme bringt eine zusätliche Kommunikationsebene.
  • Podcasts erreichen jüngere Zielgruppen: Junge wollen selber entscheiden, wann sie was konsumieren wollen. Podcasts sind ein echtes On-Demand-Medium.
  • Podcasts sind wirkungsstark: Dadurch, dass sich der Hörer dazu entscheidet einen Podcast zu abonnieren, zeigt er sein Interesse daran.
  • Podcasts erhöhen die Kundentreue: Wer abonnniert beibt dran.
Nicht hunderoprozentig bin ich einverstanden mit den sieben Erfolgsfaktoren, die die Post auflistet. Als Punkt 1 wird professionelle Produktion genannt. Falsch ist dies sicher nicht - doch darf das nicht auf Kosten der Authentizität gehen (Erst Punkt 4 bei der Post). Ein Beispiel zur Illustration: Der Henkel Lifetimes Podcast ist zwar absolut professionell produziert - er ist aber dermassen faltenlos und weichgespült, dass er in meinen Ohren alles andere als authentisch wirkt.

Sehr schade finde ich, dass zwar einzelne Textedes als Audio-Files heruntergeladen werden können, dass es aber keinen Podcast zum Online-Kurs gibt. Denn die Audio-Files sind nur Ausschnitte und ein RSS-Feed fürs Abo fehlt. Und genau das ist es, was in meinen Augen einen Podcast erst zum Podcast macht. Da fehlte der Post wohl der Mut; sie will ja, dass sich die Leute einloggen und ihre Daten hinterlegen, wenn Sie sich für einen Online-Kurs einschreiben.

Hier hätte die Post eine grosse Chance gehabt, Podcasts in der Schweizer Marketing-Branche zu positionieren. Immerhin erklärt sie im Pocast-Tipp Nr. 1, wie man Podcasts nutzt. Denn eines ist klar: Wer als Kommunikationsprofi keine Podcasts hört, wird auch keine in seinen Kommunikationsmix integrieren. Da verhält es sich wie zwischen dem persönlichen Bloggen und Corporate Blogs.

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