3. September 2007

Wiki und die 80'060 Mitarbeiter

Sonntagszeitung und «NZZ am Sonntag» waren sich in der Wahl der Geschichten gestern einig: Unternehmen und Personen, die Artikel über sich selber in Wikipedia schönen, gehören an den Pranger:
Die Geschichte ist rasch erzählt: Mit dem Wikiscanner lässt sich feststellen, wer mit welcher IP-Adresse welche Beiträge bei Wikipedia verändert. Besonders praktisch: Man kann nach Unternehmen suchen. So fanden Sonntagszeitung und «NZZ am Sonntag» heraus, dass unter anderen Coop, CS oder Roger Köppel Artikel über sich selber geändert haben.

Grundsätzlich lässt sich dazu sagen, dass es zu den Grundaufgaben jeder Kommunikationsabteilung gehört, mitzuverfolgen, was in Wikipedia über die eigene Organisation, Marken, Produkte und Führungspersonen geschrieben wird. Zu häufig wird Wikipedia heute zitiert, dass man sie ignorieren könnte.

Wenn wirklich sachliche Fehler drin stehen, so darf das Unternehmen diese meiner Meinung nach korrigieren. Es ist ja auch im Interesse der Wikpedia-Community, dass die Inhalte sachlich korrekt sind.

Schwieriger wirds bei Einschätzungen und Beurteilungen. Grundsätzlich lässt sich dazu anfügen, dass diese nicht in eine Enzyklopädie gehören. Die Regel gilt für die PR-Arbeiteilungen der Unternehmen genau gleich wie für alle, die einem Unternehmen gegenüber negativ eingestellt sind. (Auf die Diskussion, ob es die objektive Wahrheit gibt und wer allenfalls entscheidet, was «objektiv» richtig und falsch ist, möchte ich hier nicht eingehen).

Unternehmen - oder PR-Agenturen - die über Gebühr in Wikipedia eingreifen, leisten sich einen Bärendienst. Die Artikel in NZZ am Sonntag und Sonntagszeitung zeigen dies. Hier gilt es, sich zurück zu halten.

Was darf man tun und was soll man lassen?

Zwei Beispiele anhand von UBS* zur Illustration
  • Am 13. Mai 2007 hat jemand von einer UBS-Adresse die Wikipedia-Seite über UBS AG redigiert. Dabei wurde die Zahl der MItarbeiter von 70'210 auf 80'060 angepasst.
  • Früher, am 26.Juli 2006, hat jemand mit einer UBS-Adresse den Satz «UBS AG is a financial services company, headquartered in Basel and Zurich…» abgeändert in «UBS AG is undoubtedly the best financial services company in the world, headquartered in Basel and Zurich…».
Die erste Anpassung ist sicher legitim, es sind nämlich die aktuellen Zahlen für März 2007 bekannt geworden. Die zweite Anpassung hingegen nicht. Sie ist eine reine Behauptung und übertrieben werberisch.

Die zweite Korrektur zeigt ein grosses Problem auf: Eine solch plumpe Eigenwerbung hat die professionelle Kommunikationsabteilung von UBS kaum vorgenommen. Das Problem ist, dass jede und jeder der 80'060 MItarbeiterinnen und MItarbeiter von UBS bei Wikipedia mitschreiben kann.. Selbst wenn sie oder er glaubt, dass UBS «zweifellos die beste Finanzfirma der Welt» ist - seiner Bank hat er keinen Dienst erwiesen.

Von aussen macht es nämlich den Anschein, dass UBS als Unternehmen bei Wikipedia eingegriffen hat - wer es wirklich war können nur die IT-Verantwortlichen von UBS herausfinden.

Es ist wohl vor allem für grosse Unternehmen unumgänglich, die Richtlinien zu überarbeiten, was die Mitarbeiter aus dem Firmennetz heraus im Internet treiben dürfen. Wenn man die Reputationsrisiken im Auge behält, reicht es nicht, einfach nur Sex-Sites zu sperren.



*Offenlegung: Ich arbeite regelmässig für UBS und bin in einem kleinen Pensum dort angestellt. Die Überlegungen in diesem Post lassen sich aber analog für jedes andere Unternehmen machen.

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