Ein Text ist nicht bloss eine Anhäufung von Buchstaben. Er hat immer auch eine physische Form, das Layout.
Um mehr über typografische und layouterische Grundlagen zu wissen, war ich Anfang Woche drei Tage an der
Schweizer Journalistenschule MAZ im Kurs «Qualität - Bild, Typografie, Gestaltung & Druck». Unser Dozent:
Christian Güntlisberger, der bei der
NZZ unter anderem für die Gestaltung der «Zeitbilder» in der Wochenendausgabe verantwortlich ist.
Warum besucht ein Texter diesen Kurs? zoll-kommunikation ist doch eine reine Textmanufaktur, kein Grafikatelier!
Richtig, doch...
- ich arbeite immer wieder mit Grafikern und Layoutern zusammen. Da will ich mitdenken, mitreden können.
- zwischendurch muss ich auch feststellen, dass es bei einigen Grafikern mit dem gestalterischen Können und dem typografischen Wissen nicht sehr weit her ist. Wenn es ganz schief läuft, will ich eingreifen können.
- ich liebe gute Bilder und habe Freude am Zusammenspiel von Text, Bild und Layout.
Zurück zum MAZ-Kurs, zu unserer Aufgabe: Aus einem bestehenden Text und dazugehörenden Fotos sollen wir ein dreiseitiges «Zeitbilder» gestalten. Und zwar auf die klassische Art; auf Papier, mit Schere und Klebstreifen.
Nach langem Hin und Her, Versuchen, Schnipseln, Probieren, Kleben, Verwerfen und neu Anfangen, war dies mein Vorschlag:

Vor allem der Block auf Seite 3 mit dem klaren Schwerpunkt und den kleineren Bildern gefiel gut. So schaffte ich es mit meiner Version im Selektionsverfahren unter die letzten drei. Nicht schlecht für einen Texter, finde ich, sind die anderen Teilnehmer doch fast ausschliesslich Bildredaktoren.
Christians Einwand zu meiner Gestaltung: Der Einstieg muss dynamischer werden. Darum haben wir ganz schnell das Titelbild und eines der kleinen Bilder auf Seite drei ausgetauscht. Voilà:

Ganz zufrieden war Christian auch damit nicht. Aber er konnte sich auch mit keiner anderen Version anfreunden.
Darum hiess es: Alles noch einmal von vorn. Und zwar in Gruppen.
Das endgültige Resultat gibt es nächstens in einer NZZ-Wochenendausgabe zu sehen. Voraussichtlich am Samstag 14. Oktober.
Leider sind die Zeitbilder in der NZZ seit rund einem Jahr sehr gut versteckt - im hinteren Teil des Bundes «Literatur und Kunst». Nur wer sucht, der findet.
Schade, sehr schade. Denn genau mit Gefässen wie den Zeitbildern könnte sich die NZZ vom verflachenden Mainstream-Journalismus abheben.
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