Teil 4 von 10 der Fallstudie «Fussballhelden»

Im letzten Post habe ich die ersten drei unserer grundsätzlichen Überlegungen bei der Medienarbeit für Fussballhelden dargelegt:
1.) One Voice, one Face
2.) Ressort Sport oder Kultur?
3.) Warum sich die Medien für Fussballhelden interessieren
Nun also zu den drei weiteren Punkten.4.) Bilder sagen mehr als tausend WorteThemen, die sich gut bebildern lassen, haben in den Printmedien eine grössere Chance zur Publikation. Und Studien zum Leseverhalten zeigen, dass die Bilder die grösste Aufmerksamkeit auf einer Seite geniessen.
Ein Artikel, der bebildert ist, wird von den Lesern viel stärker beachtet, als einer ohne Bild.Fussballhelden ist ein Bildprojekt per se, wurden doch 906 Porträts eigens dafür gezeichnet.
Daher beschlossen wir, einen
grossen Download-Bereich mit Bildern in Druckqualität bereitzustellen. Von jedem Team ist ein Porträt erhältlich - insgesamt über 60 Bilder. Die Journalisten konnten frei auswählen.
Hier bestand ein Interessenskonflikt zwischen mir als Medienspezialisten, der die Medien optimal beliefern wollte, und den Illustratoren, die die
Urheberrechte an ihren Werken schützen wollten.
Ich konnte den Initiator
Jerzovskaja aber davon überzeugen, dass der Nutzen viel grösser ist als die Gefahren. Zum Schutz brachten wir einen deutlichen Copyright-Verweis an. Leider mussten wir trotzdem bei mehreren (Online-)Medien intervenieren, die die Bilder unerlaubt verwendeten, das heisst ohne Zusammenhang zum Projekt und ohne Copyright-Verweis.
Insgesamt hat sich die Strategie aber ausbezahlt: 95% der Artikel, die in der Schweiz über Fussballhelden erschienen, waren bebildert.
5.) Wie man eine Lawine auslöstEin wichtiges Prinzip des Mediensystems ist die Selbstreferenzierung der Medien. Journalisten sind selber intensive Medienkonsumenten und
werden von anderen Medien bei der Themenwahl beeinflusst. Das, worüber die Leute sprechen, ist ein Thema für die Medien. Und die Leute sprechen über das, worüber die Medien berichten.
Unternehmen müssen immer wieder schmerzliche Erfahrungen mit diesem Mechanismus machen, wenn ein einzelnes Medium einen Missstand aufdeckt und damit eine Welle an Berichterstattungen auslöst. Ich nenne dies auch den «
Sonntagszeitungs-Effekt», denn jede Woche finden zahlreiche Geschichten, die die Sonntagspresse publiziert, ihren Niederschlag in anderen Medien.
Wir wollten diesen Effekt für uns nutzen. Wir suchten daher in der Medienberichterstattung einen starken Start, möglichst mit einer mehrseitigen, grossformatig bebilderten Magazingeschichte. Wie wir vorgingen, welches Risiko wir mit dieser Strategie eingingen und was das Resultat war, zeige ich dann im 6. Teil.
Den Schneeballeffekt kann man auch fördern, indem man nicht nur Redaktionen mit Informationen beliefert, sondern auch freischaffende Journalisten. Diese arbeiten häufig für mehrere Medien und haben ein Eigeninteresse, ihre Geschichten mehrfach zu verwerten.
6.) Wie man auf einer Medienwelle mitreitet (wenn eine da ist)Wenn ein Thema in den Medien stark präsent ist, kann man von dieser Dynamik profitieren und das Thema für sich zu besetzen versuchen, also auf der Welle mitreiten.
Die Fussball-WM generiert eine
riesige Medienaufmerksamkeit. Wie bei allem müssen aber auch in der Medienarbeit die
Chancen sorgfältig gegen die Risiken abgewogen werden.
In unserem Fall waren die Risiken:
- Der Kampf um die Aufmerksamkeit ist riesig, leicht geht man darin unter.
- Leute, die Fussball nicht mögen (das soll es ja geben), werden abgeschreckt.
- Die Veranstalter der WM sind nicht zimperlich, wenn sie glauben, dass jemand ungerechtfertigt von der WM profitiert. Die rechtlichen Möglichkeiten sind eingeschränkt.
In unserem Fall kam dazu, dass die grosse Medienwelle während der WM (9. Juni bis 9. Juli) für Fussballhelden zu spät kam. Das Buch kam am 1. März auf den Markt, die Medienarbeit musste also bereits im Februar beginnen.
Eine Auswertung des
Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft Universität Zürich zeigte rückblickend, dass unsere Annahme richtig war: Die WM-Welle in den grossen Schweizer Zeitungen fand erst während der WM statt.

Wir beschlossen also, uns bei der Medienarbeit für Fussballhelden nicht auf die Medienwelle der WM zu verlassen. Nur vereinzelt spielten wir auf die WM an - zum Beispiel «WM der Illustratoren». Durch eine
sorgfältige Sprachwahl vermieden wir allfällige rechtliche Probleme.
Mit diesen grundsätzlichen Überlegungen machten wir uns an die Umsetzung. Dabei kombinierten wir konventionelle mit eher unkonventionellen Mitteln.
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Übersicht der Fallstudie.
Diese Fallstudie erscheint im Rahmen des
2. Business-Blog-Karnevals unter dem Thema «erfolgreiche PR- und Medienarbeit».
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