Gestern habe ich zum ersten Mal an der
Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern unterrichtet. Kurzfristig habe ich den ersten Tag des zweitägigen Kurses «Multimedia I - Produzieren fürs Web» übernommen.
Der Film
EPIC zeichnete zum Einstieg die grossen Veränderungen nach, die der klassische Journalismus duch das Internet erfährt und noch erfahren wird. Als Grundinformationsquelle zeigte ich anschliessend
Onlinejournalismus.de.
Welches multimediale Angebot zeigen Medienwebsites?Eine grosse Surftour zeigte gelungene und weniger gelungene Beispiele - und bot damit Stoff für Diskussionen:
- Cash Daily bringt die Gratsizeitung per E-Paper sehr direkt ins Netz - angereichtert mit Videos und Audios. Störend erschien uns zum Teil der Sprachenmix zwischen Hochdeutsch und Schweizerdeutsch. Besonders die Radiojournalisten unter uns waren auch von der Tonqualität der Interviews nicht begeistert. Als Seitenblick zeigte ich, wie man zum Beispiel mit issuu einfach aus PDFs E-Papers erstellen kann - wie es zum Beispiel NZZ campus tut.
- Bei der Zeit beobachteten wir die Kombination von Musik und Text in den Kritiken. Auch hier ist die Umsetzung nicht immer perfekt. Im einen Fall wurde der Text zwar gut in leicht lesbare Stücke aufgeteilt, doch die Musik brach ab, wenn man weiterklickte. An einem anderen Ort war der Musiklink schlecht zu finden. Doch wir merkten: Musik und Text lassen sich gut kombinieren.
- Natürlich durfte Spiegel Online nicht fehlen. Die Erkenntnis hier: Während sich Text und Musik parallel konsumieren lassen, geht das bei Video und Text nicht. Und: Selbst beim grossen Vorbild im deutschen Onlinejournalismus sind die Texte nicht immer sehr webgerecht aufbereitet.
- Bei CNN.com sahen wir die grosse Vielfalt an Videos - zum Teil werden sie als Quotes direkt in Webtexte verlinkt werden. Eine Geschichte über die Vorwahlen in Pennylvania zum Beispiel enthält ein Telefoninterview mit Barak Obama, ein Video-Interview mit Hillary Clinton, eine Fotostrecke und mehr. Auch die Texte sind sehr webgerecht.
- Youtube und MySpace zeigten, wie die Inhalte von renommierten Medienunternehmen Auge in Auge mit den nutzergenerierten Inhalten konkurrenzieren. Renommierte Medienunternehmen nutzen die Video-Plattform (BBC / SF) respektive die Online Community (BBC), um ihre Inhalte neuen Nutzergruppen zu erschliessen.
- Schweizer Fernsehen SF und Radio DRS haben beide ausgebaute Podcasting-Bereichte. Hier geht es darum bereits bestehende Sendungen, zeitunabhängig anbieten zu können. Swissinfo verbindet die Angebote der SRG-Kanäle mit eigenen Berichten - etwa hier im Dossier zur Bundesratswahl. Vielfach erzählen hier jedoch Text, Ton und Bild die gleiche Geschichte mehrmals.
Natürlich kam die Frage auf, was denn ein Podcast ist und was nicht. Gerade weil es die
Bruno Bondi Show von Swisscom leider nicht mehr gibt, liess ich Bruno Bondi das erklären:
Alles klar?
Texten für den Leser, der nicht liest
Unser anschliessender Schwerpunkt war das Texten fürs Web. Ausgehend von Jakob Nielsens Klassiker
«How Users Read on the Web - They don't» legten wir die wichtigsten Regeln fest:
- dem Leser das Scannen erleichtern mit kurzen Abschnitten und durch Hervorhebung relevanter Informationen
- die Basisfragen (7 W-Fragen) beantworten
- die umgekehrt Pyramide (= das Wichtigste zuerst, wie in einer Nachricht) gilt nicht bloss für den ganzen Text sondern auch innerhalb eines Absatzes.
(Quelle:
Kurzgefasste Anleitung zum Verfassen von Texten für das Web)
Hier noch zwei Lesetipps fürs Texten im Web:
- Texten fürs Web von Stefan Heijnk
- Wie schreibe ich Internet-Texte? Ein Leitfaden für gutes Web-Writing von SEIBERT / MEDIA
Mach dir ein Bild zum TextDer Nachmittag galt dem Bild und seiner Verbindung mit dem Text.
Ein wenig Handwerk im Umgang mit Bildern ist für Webjournalisten unumgänglich. Als Alternative für die Bildbearbeitung bietet sich zum Standartwerkzeug Photoshop das viel billigere und einfachere Photoshop Elements an. Kostenlose Werkzeuge sind
Photoshop Express,
Picasa oder
Picnik.
Eine spannende Form von Bildstrecken im Web sind Diashows mit einer Tonspur. Diese lassen sich einfach mit
Soundslides herstellen. Praktisch: Die Testversion ist kostenlos und voll funktionsfähig.
Wer sucht, der findet eine Reihe von Slideshows als Anschauungsbeispiele:
Alles in allem war es für mich ein spannender Tag. Hoffentlich konnte ich die jungen Journalistinnen und Journalisten zum Experimentieren inspirieren. Um Texte im Web interessanter zu machen, braucht es manchmal nämlich nicht viel, wie dieses letzte
Beispiel von Blick zeigt.
Ein grosser Dank geht an
Jodok Kobelt, der mir diesen Tag am MAZ vermittelt hat. Ein grosser Teil des verwendeten Materials stammt von ihm.
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